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…Startup-Kontrast zwischen DE und US

 

Kaum eine Nation polarisiert derart stark wie die USA. Für die einen die kapitalistische Weltmacht, die eigenwillig ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgt, für die anderen die fortschrittliche und innovative Ökonomie, welche die erfolgreichsten Startups der jüngeren Geschichte hervorgebracht hat. Einigkeit besteht nur darin, dass die US-amerikanische Wirtschaft in starkem Kontrast zu ihrem deutschen Pendant steht. Wie genau diese Unterschiede aussehen und wie faszinierend Virtual Reality sein kann – das alles erfährt ihr in unserem heutigen Blogeintrag!

Am Montag waren wir zunächst für einen Besuch bei dem Unternehmen Evernote angemeldet. Hier wird Software entwickelt für die persönliche Optimierung von Terminen, Events, ToDos etc. und weltweit vermarktet. Wir waren begeistert von dem Flair und der Atmosphäre in diesem erfolgreichen Unternehmen.

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Unser Ausflug am Dienstag begann mit einem Abstecher zum German Silicon Valley Accelerator, wo uns Max Sagasser, verantwortlich für Operations & Business Development des Programms, empfing. Schnell war klar: Der Tag würde ganz im Zeichen des Kontrasts der deutschen und amerikanischen Startup-Szene stehen. Denn die Strategie des Accelerators besteht darin, jungen deutschen Unternehmen die Expansion in die USA zu erleichtern. Max erläuterte, die Vorteile beider Standorte zu verbinden. Der Ansatz des Accelerators bildet dadurch einen Gegenpol zum branchenüblichen Schwarz-Weiss-Denken: das Silicon Valley bietet zwar viele Gelegenheiten für Startups, doch es ist auch nicht das vielzitierte Schlaraffenland, als das es gerne dargestellt wird. Stattdessen besitzt auch die deutsche Szene nicht zu unterschätzende Stärken. Doch wie genau sehen diese Vorteile aus und welchen Preis haben sie?

 

Während die US-amerikanische Investoren-Szene vor allem durch sehr hohe Investitionsvolumina glänzt, wartet Deutschland mit weitaus besseren Möglichkeiten zur Pre-Seed- und Seed-Finanzierung auf – bedingt durch zahlreiche staatliche Fonds, die es so in den USA nicht gibt. Zudem sind Fachkräfte besser qualifiziert, relativ günstiger und ihre Dienste weniger umkämpft. Die USA hingegen überzeugen mit grossartigen Sales- und Marketing-Möglichkeiten sowie einem riesigen, skalierbaren Markt. Die Strategie des German Accelerator lautet dementsprechend, die Produkt-Entwicklung und -Innovation in Deutschland voranzutreiben, während die Vermarktungs-Mõglichkeiten des amerikanischen Marktes voll ausgenutzt werden. Ein wichtiger Faktor ist hier das einzigartige Netzwerk, welches der Accelerator besitzt. Überhaupt scheinen Kollaboration und Austausch die Essenz eines erfolgreichen Wirkens im Silicon Valley zu sein, wie Max Sagasser nochmals betonte.

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Nach einem schnellen Ausflug an die Stanford Graduate School of Business, wo wir einen Cisco-Vortrag darüber hörten, wie inhaltvolles Story-Telling und Content-Marketing zum Aufbau eines vertrauens- und respektvollen Kundenverhältnisses genutzt werden kann, ging es weiter zur internationalen Rechtsanwaltskanzlei OsborneClarke.

Zugegeben, im Vorfeld des Besuchs waren wir etwas skeptisch. Überall hochmoderne Online-Unternehmen und wir besuchen hier Anwälte? Doch bereits als wir das Office betraten, wollte OsborneClarke so gar nicht in unser klassisches Bild einer Anwaltskanzlei passen. Statt Managern in Krawatte erwartete uns eine eher legere Atmosphäre mit Männern in Chucks. Das unumstrittene Highlight: Ein farbenfrohes Bild der Kölner Skyline mit dem Dom im Konferenzraum des Büros.

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Auch die Präsentation, die das Team für uns vorbereitet hatte, verlief anders als gedacht. Statt trockenen juristischen Themen erwartete uns ein interessanter Überblick über die aktuellsten Trends der Szene, angereichert mit vielen Praxisbeispielen und Anekdoten. Hier hat sich gezeigt, dass auch das Netzwerk der HS Fresenius funktioniert: denn unser Dozent Nicolas Gabrysch für International Law in unserem Master-Studiengang Digital Management hatte unseren Besuch hervorragend vorbereitet und seine Kolleginnen und Kollegen im Valley super gebrieft. Sogar ein Vortrag einer sehr erfolgreichen deutschen Gründers im Silicon Valley war integriert und so konnten wir direkte Einblicke in die Verhandlungen mit Investoren gewinnen.

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Überraschend war auch die Anwesenheit eines Professors der Stanford University, der seinen akademischen Schwerpunkt tatsächlich auf europäisches Entrepreneurswesen gelegt hat: Dr. Burton H. Lee kam gerade von einer Deitschlandreise zurück und hatte einige Erkenntnisse zur deutschen Startup-Szene gewonnen, die er im Anschluss mit uns teilte. Dabei forderte er insbesondere einen Kulturwandel in Deutschland, der vor allem weniger Egoismus und mehr Kollaborations- und Teilbereitschaft bringen sollte, um den Herausforderungen der Digitalen Transformation zu begegnen. Die genauen Aussagen des Professors waren so interessant, dass wir denken, es verdient einen eigenen Blogeintrag – also bleibt gespannt 😉

Zum Abschluss dieses langen Tags ging es zurück nach San Francisco zu einem Virtual Reality Event. Und scheinbar gilt auch ein Amerika der Grundsatz, dass nach der Arbeit das Vergnügen kommt, denn einmal angekommen gab es nicht nur die angekündigte Podiumsdiskussion über die Anwendungsmöglichkeiten von VR-Technologie im Gesundheits- und Erziehungswesen, sondern auch reichlich Zeit und Gelegenheit, die Geräte selbst auszuprobieren. So nahm uns beispielsweise eine Oculus-Brille, die ein eingeschobenes Smartphone als Bildschirm nutzte, mit auf einen Ausflug in die verlassenen Ruinen von Tschernobyl. Obwohl noch reichlich unscharf, fühlte sich das Erlebnis so echt an, dass die Touren über die Dächer des Kraftwerks schon leichte Anflüge von Höhenangst verursachen konnten.

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Das Highlight war jedoch die Vive, eine VR-Brille aus dem Hause HTC, die zusammen mit zwei Controllern das Spielen in einer virtuellen Welt erlaubte. Die Erfahrung war so einzigartig und unterschied sich so deutlich von allen bisherigen Spielerlebnissen, dass jeder Tester restlos begeistert war.

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Das interaktive, intensive und „echte“ Erleben, das durch VR möglich ist, war dann auch Kerninhalt des anschließenden Talks. Trotz Differenzen in Fragen der Umsetzung, stimmten alle Teilnehmer darin überein, dass die Technologie die Medizin und das menschliche Lernen revolutionieren könnte – sei es beispielsweise durch Simulationen von Operationen zur Unterrichtung angehender Chirurgen oder auch VR-basierten Therapiemethoden, die Hirnregionen ansprechen, welche durch herkömmliche Ansätze nicht stimuliert werden können.

So endete letztlich ein lehrreicher, aber auch recht langer Tag. In unserem nächsten Eintrag werden wir die Sicht eines amerikanischen Professors auf die deutsche Entrepreneursszene darstellen. Schaut also wieder vorbei! 😉

Jetzt fahren wir schnell zum nächsten Event und würden uns wünschen, dass die Tage hier länger wären…

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Überall gibt es etwas spannendes zu entdecken und interessantes zu lernen:

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Tag #6/7

Es liegen 2 fantastische Tage hinter uns! Es bleibt keine Zeit zu schreiben. Stanford ist umwerfend und selbst 2 Tage sind nicht genug, um den kompletten Campus zu erkunden, obwohl wir mit Lohith einen bewanderten Guide hatten. Thanks, man!!! Der Besuch bei Linkedin war dank Siva ein Hammer, nach dem sich selbst Google hinten anstellen muss. Kurz gesagt, es ist zu viel für ein Tablet passiert, aber ich verspreche schon mal, dass Follow-up wird awesome 😉 Ich denke, ich schreibe für alle, wenn ich sage, der Trip ist eine einmalige Erfahrung für die wir alle dankbar sind!

Im Herzen von Silicon Valley

Wow, schon wieder über 2 Wochen zurück in Deutschland und trotzdem in Gedanken immer noch in den USA. Kein Wunder, so oft wie man gefragt wird „Und, wie war es in Amerika?“. Langsam verblasst das Alltägliche – das Autofahren, das Schlafen, Essen & Trinken – doch das Wichtige: die Menschen, die wir getroffen haben, die Orte, die man nur einmal im Leben besucht, die Firmen, die man von innen sieht, die Erinnerungen graben sich mit jedem mal tiefer ein.

Zurück zum 6. Tag unseres Aufenthaltes, Mittwoch, der Tag von LindedIn. Die Gruppe teilt sich morgens, eine Gruppe besucht das Hacker-Dojo, die andere bleibt zurück und übernimmt die Planung der nächsten Tage und schreibt Blockeinträge. Vom Hacker-Dojo muss jemand anderes berichten. Ich setze mich in die Lobby unseres Baustellenmotels und verfolge neben dem Tippen die amerikanischen Nachrichten, die wenig mit Nachrichten in Deutschland gemein haben. Es sind immer 2 Moderatoren und der Austausch untereinander scheint wichtiger als das Informieren der Zuschauer. Thema ist das Coming-Out Jason Collins als erster aktiver Profisportler und die breite Unterstützung, die er für diesen mutigen Schritt erhält. Dann wird einem im Wetterbericht die immense Größe der USA deutlich gemacht. An der Ostküste regnet und stürmt es, der Norden versinkt im Schnee und an der Westküste (nicht soo weit von uns weg) kommt es aufgrund der langanhaltenden Hitze und Trockenheit zu Waldbränden.

Am Vormittag packen auch wir unsere Sachen und fahren ins Herz von Silicon Valley zu LinkedIn, wo uns die anderen zusammen mit Siva schon erwarten. Direkt nebenan ist das Google-Gelände, aber dazu morgen mehr. LinkedIn und seine 2 000 Mitarbeiter an dem Standort sind auf vier moderne Glasbauten verteilt, die von grünen Parks mit Springbrunnen und Parkplätzen umgeben sind. Zuerst zeigt Siva uns eine Büroetage, wo es wenige Überraschungen gibt. Ein Großraumbüro mit kleinen Raumteilerzellen in denen zwei bis drei große Monitore stehen, gesäumt von Besprechungsräumen und Büros der leitenden Angestellten. Wir dürfen nur flüstern, die Atmosphäre ist geprägt von Konzentration. Ganz anders geht es da in der riesigen Cafeteria zu. Vier Theken mit verschiedenen Gerichten stehen jedem Mitarbeiter – und an diesem Tag uns – kostenfrei zu Verfügung, ebenso die Getränke. Eine der besten Mahlzeiten des Trips! Um uns herum das Auf und Ab von Tischgesprächen der locker 500 anderen Anwesenden. Es geht lässig zu, ohne große Hektik.

Nach dem Essen geht es passender Weise in das firmeneigene Fitnessstudio, das sich im Vergleich zu der Cafeteria eher klein ausnimmt. Eine Handvoll Ausdauer- und Kraftgeräte, das war es schon. Dazu einen Gymnastikraum, in dem Aerobic und andere Kurse angeboten werden. In der Mittagszeit haben wir beides ziemlich für uns und löchern Siva mit Fragen. Von da geht es nochmal zurück in die Cafeteria, denn es stehen noch vier Eissorten mit allen möglichen Toppings zur Auswahl – natürlich kostenlos. Kicker und Tischtennisplatte dürfen auch nicht fehlen. Hinzu kommt Andrew, ein Arbeitskollege von Siva. Viele „awesome“‘s später sind wir so halb auf eine Party anlässlich des Kentuckyderbys in San Francisco eingeladen (Leider nichts draus geworden).

Weiter geht es zum Bandraum, wo Keyboard, Schlagzeug und Gitarren auf die Mitarbeiter warten. Jeden Freitag wird wohl das Tor der ausrangierten Landerampe geöffnet und sich zum gemütlichen Biertrinken bei Livemusik getroffen. Ach ja, scheinbar auf jeder Etage in jedem Gebäude befindet sich mindestens eine Snackbar mit Müslis, Chips, Keksen, Eis und Getränken. Am Ende der Tour erkundigen wir uns selbstredend alle bei Siva, wann wir bei LinkedIn anfangen können. Leider wird nur direkt von den Eliteunis rekrutiert. Schade.

Nach ausgiebigen und redlich verdienten Dankesworten an Siva, setzen wir uns in die Autos und fahren zum nächsten Termin: StartX, dem Accelerator der Stanford-Studenten. Wohlgemerkt der Studenten, nicht der Uni, denn die Rechtslage, wem die Ideen aus den zahlreichen Case Studies der Studenten gehören, scheint dünnes Eis zu sein. Darum, und weil auf dem Campus Werbeaktionen verboten sind, hat der Inkubator seine Zelte außerhalb des Stanfordgeländes aufgeschlagen. Und dort scheint er gut zu gedeihen, die Bürofläche ist mehr als gut ausgelastet und es sind viele Leute da, die sich geschäftig austauschen.

Das, so erzählt uns unser Kontakt Andrew (ein anderer als bei LinkedIn), ist der große Erfolgstreiber von StartX: der Austausch der ganzen Hochkaräter, die sich in Stanford tummeln. Dazu kommt ein Mentorenteam aus CEO’s von etablierten Unternehmen, die den Durchstartern nochmal mehr Schub geben sollen. Nebenbei werden wieder Millionensummen durch den Raum geworfen und es wird schnell klar, wo und wie groß die Unterschiede zwischen der deutschen und amerikanischen Gründerszene sind. Im Silicon Valley sitzen einfach mehr große Konzerne und Einzelpersonen, denen das Wagniskapital lockerer sitzt, als in Deutschland. Hinzu kommt bei StartX der Name Stanford, der überall Tor und Tür öffnet. Die Fresenius hat da noch einen weiten Weg zu gehen, aber Andrew setzt sich geduldig mit Herr Geibel und dem Startplatz auseinander und die nächsten Kontakte sind geknüpft.

Davon beflügelt, kehren wir auf den Stanford-Campus zurück und stürmen das Souvenirgeschäft. Irgendwo muss eine eigene Fabrik stehen, die nur dafür da ist, das Stanford-Logo auf Dinge zu stempeln. Oder den ominösen Schlachtruf „Fear the tree“. Hoodies, Polo-Shirts, Tassen, Kalender, Sonnenbrillen und hundert andere Dinge in den Farben der Uni sind zu haben und beim anschließenden Essen ist der Nachbartisch allein von unseren Einkaufstüten belegt. Sonnenuntergang in Stanford und auf ins nächste Motel. Was für ein Tag! Und der nächste wird genauso gut…