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Eine Niederlage mit Happy End

Das deutsch-chinesische Fußballturnier in Shanghai fand dieses Jahr am 18. Mai auf dem Jiading-Campus statt. Doch schon ein Monat vorher begannen für uns die Vorbereitungen. Zunächst mussten wir ein Team aufstellen, dabei haben wir jeden der Lust hatte gerne ins Team aufgenommen. Wie es so hier in China üblich ist, haben wir die organisatorischen Dinge über WeChat geklärt. Unser chinesischer Study-Buddy Timothy hat sich um unsere Trikots gekümmert. Jeder Spieler durfte sich seine Nummer selbst aussuchen. Ein paar Wochen später kamen unsere Trikots auch schon an. Jeder bekam ein Deutschland-Trikot mit seinem Namen auf dem Rücken.

Nach dem die organisatorischen Dinge geklärt waren, hätte man meinen müssen, dass wir ein oder zweimal trainieren sollten. Im Endeffekt hat sich das deutsche Team zum Fußballspielen genau kein mal getroffen. Während unsere Zeit hier in Shanghai haben wir bisher viel erlebt. Wir sind nach der Uni meist in die Innenstadt oder haben etwas in Baoshan unternommen, da ist das Fußballspiel gegen die chinesische Universitätsmannschaft leicht in Vergessenheit geraten. Ab und zu haben wir in den Vorlesungspausen den Ball hin und her gekickt, aber bis zum Spiel hatte das deutsche Team noch nie richtig miteinander Fußball gespielt.

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Nun war es soweit, das Fußballturnier stand vor der Tür. Ein paar Kommilitonen von uns haben bei der Organisation mitgeholfen und am Tage des Fußballspieles das Spiel moderiert. Wir waren echt überrascht, wie professionell und mühevoll die Chinesen das Spiel aufbereitet haben. Denn vor dem Spiel gab es eine Zeremonie mit Ansprachen der verantwortlichen der Universität und einem richtigen Einlauf mit den nationalen Flaggen und der nationalen Hymnen. Auch unser Kapitän durfte ein paar Worte zum bevorstehenden Spiel sagen, sowie der gegnerische Kapitän. Abschließend wurde noch ein Gruppenfoto gemacht und dann ging das Spiel schon los.

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Das Spiel fing schleppend an, es war ein hin und her zwischen dem deutschen und chinesischen Team. Bei einer Hitze von 30 Grad war es nicht gerade einfach zu spielen. Nach ca. 15 Minuten ist das erste Tor gefallen, zum überraschen aller ein Tor für das chinesische Team. Das Tor weckte das deutsche Team auf: das chinesische Team ist ernst zu nehmen. Sie trainieren seit Jahren miteinander und sind eingespielt, im Gegensatz zu uns. Kurz vor der Halbzeit fiel das zweite Tor, jedoch auch wieder für das chinesische Team.

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Während der Halbzeit mussten sich alle Spieler erstmal abkühlen. Die Stimmung bei uns Deutschen war gekippt. Langsam aber sicher realisierten wir, dass dieses Spiel vielleicht nicht so gut für uns ausgehen wird. Ein Trost für uns war die Tatsache, dass das chinesische Team bisher noch nie gewonnen hatte und dieses Spiel das letzte für sie sein werde. Zumindest in dieser Konstellation, denn die meisten Spieler der Mannschaft würden dieses Jahr ihren Abschluss machen und die Universität verlassen, so erzählte es mir eine chinesische Studentin.

WechatIMG39Nach der Halbzeit ging es leider nicht gut weiter. Zwei weitere Tore fielen noch und zum krönenden Abschluss gab es noch einen Elfmeter für das chinesische Team. Letzten Endes ging das Spiel 0:5 für die chinesische Universitätsmannschaft aus. Da das ganze Spiel unter einem freundschaftlichen Aspekt stand, hat uns das Fußballspiel trotz Niederlage viel Spaß bereitet.

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Jeder Spieler hat zur Siegerehrung eine Medaille erhalten. Wir deutschen haben eine Silbermedaille erhalten und das chinesische Team natürlich die Gold-Medaille. Da ich mich gut mit ein paar der chinesischen Studenten verstanden habe, haben wir unsere Medaillen getauscht. Ich fand dies eine sehr schöne Geste und so kommt es, dass ich hier nun eine Gold-Medaille liegen habe.

Mich freut es, dass ich hier in der Zeit in Shanghai nicht nur neue Freunde aus ganz Deutschland finden konnte, sondern auch internationale, sowie chinesische Studenten kennengelernt habe. Diese Erfahrung macht das Auslandssemester auf jeden Fall noch viel mehr Wert!

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… Klausurenphase auf Chinesisch

Durch die vielen neuen Eindrücke verging die Zeit quasi wie im Flug, weshalb es schwer zu erklären war, dass wie aus dem nichts die Abschlussprüfungen auf der Agenda standen.

Vorweg kann ich jedem möglichen Interessenten eines solchen Auslandsaufenthaltes die Angst vor der Zeit nehmen, die auch bei uns an der heimischen Universität für Unbehagen sorgt und einem manchmal fürchten lassen überhaupt noch genug Schlaf zu bekommen. Natürlich muss man auch hier in Shanghai für die Klausuren lernen, aber sie gehen im Gegensatz zu den gewohnten Klausuren nur zu etwa 40% in die Endnote ein. Die übrigen 60% ergaben sich jeweils aus 10% Anwesenheit & Mitarbeit und 50% Projektarbeiten, wie zB. Präsentationen, welche sich über das gesamte Semester verteilten. Somit sicherte eine gute akademische Leistung innerhalb des Semesters ein Bestehen des Kurses. Im Schnitt schrieb jeder Teilnehmer 5-6 Klausuren innerhalb eines Zeitraumes von 5 Tagen. Jede dieser Klausuren dauerte 1-2 Stunden und beinhaltete unterschiedliche Aufgabentypen, wie etwa Multiple Choice Questions, True/False Questions und Essay Questions. Jedoch hatten wir neben den Klausuren auch noch normalen Unterricht und Abschlusspräsentationen, wie bereits in der Aufteilung der Leistungserbringung erwähnt. Das straffe Program begründete sich in einer Ausnahmeregelung für die deutschen Studenten. Da die Studienzeiten und somit auch die Termine für die Klausuren kurz vor Anfang des Semesters eine Woche nach hinten verschoben wurden, die meisten deutschen Kommilitonen jedoch schon längst Rückflüge gebucht hatten, endete das Semester für uns eine Woche vor dem offiziellen Ende. Dieser Kritikpunkt ist jedoch auch der einzige, den ich an der Organisation herausstellen möchte. Ansonsten war die gesamte Klausurenphase manchmal schon begünstigend akribisch, genau bis in den letzen Winkel geplant.

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Wie auf dem obrigen Bild zu erkennen, stand für jeden Raum eine genaue Sitzordnung bereits fest, die im Vorhinein von der Koordinatoren vor Ort in der gemeinsamen „wechat“ Gruppe geteilt wurde. Genau so wie die folgenden Spielregeln preisgegeben wurden:

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Nach der letzten Klausur am Freitag Vormittag, folgte um 12:00 die Stipendiumsvergabe. Hier wurden die 6 ehrenwertesten Studenten aus aller Welt für ihr akademisches und soziales Engagement an der Shanghai university geehrt. Neben einen kleinen finanziellen Obolus bekam jeder Stipendiat eine Urkunde, welche eine tolle Errinerug an die Zeit in Shanghai ist. Am anschließenden Abend gingen wir, als inzwischen eingeschworene Gemeinschaft, die sich schätzen und vertrauen gelernt hatte ein letztes Mal zusammen aus und feierten gemeinsam das Ende der Semesters… ein sehr prägendes Kapitel unseres Lebens. Zu diesem Anlass wäre wohl kein besserer Club geeignet gewesen als das M1nt. Einer der exklusivsten Clubs der Stadt. Mit Blick über die gesamte Stadt lässt es sich hier zu sanften Elektrobeats ohne Probleme gut gehen. Für Überraschungen, wie einem Haifischbecken neben der Tanzfläche ist ebenfalls gesorgt. Als krönder Abschluss wurden wir auf dem gigantischen LED-Bildschirm hinter dem Dj-Pult ein letztes Mal verabschiedet…

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… die Campuse an der SHU

Dieses Semester wohnen wir Frese Studenten auf dem größten Campus der Universität, dem Baoshan Campus, der nördlich der Innenstadt liegt.

Unsere Vorlesungen haben wir hauptsächlich auf dem Jiading Campus, der circa eine knappe Stunde mit dem Bus von unserem Wohnheim entfernt ist. Außerdem gibt es noch den Yanchang Campus, der sich näher am Stadtzentrum befindet.
Da wir zwischen den Campusen wechseln müssen, stehen uns organisierte Bus-Shuttles zur Verfügung, die sich nach unseren Stundenplänen richten.
Auf dem Baoshan Campus gibt es neben dem Internationalen Studentenwohnheim, das Einzel- und Doppelzimmer zur Verfügung stellt, auch eine große Bibliothek, Sportplätze, Parks, ein Fitnessstudio mit Schwimmbad und viele kleine Supermärkte. Da das Gelände sehr groß ist, können auch Fahrräder vor Ort gemietet werden. Außerdem gibt es eine große Auswahl an Restaurants und chinesischem Streetfood vor dem Gate des Campuses.

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Auf dem Jiading Campus befinden sich auch Wohnheime für die chinesischen Studenten, Sportplätze, eine Mensa und mehrere Gebäude, in denen die Vorlesungen gehalten werden.
Wir haben alle unsere Vorlesungen im gleichen Gebäude auf dem Campus.
In unseren Pausen erholen wir uns gerne im Cafe der Uni, auf der Rooftop Terrasse oder liegen in einem Park, der sich in der Nähe befindet, in der Sonne. Auch auf diesem Campus sind Restaurants und Supermärkte zu finden.
Neben den Uni-Tagen verbringen wir keine weitere Zeit auf dem Jiading Campus, da wir nach den Vorlesungen den Bus wieder zurück zum Dorm nehmen.

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Die Hälfte unserer Zeit in Shanghai haben wir leider schon erreicht und da wir neben der Uni auch weitere Highlights von China besichtigen wollen, sind wir über ein verlängertes Wochenende nach Guilin, eine Stadt mit 6 Mio. Einwohnern, geflogen.
Guilin liegt im Süden Chinas und ist für seine außergewöhnliche Landschaft, der Karstberge, bekannt. Hier haben wir die Stadt Guilin sowie außerhalb liegende Städte besichtigt und eine spektakuläre Bootsfahrt durch die Berge gemacht.
Wir freuen uns bereits auf die nächsten Wochen, wo wir durch einen organisierten Wochenendtrip durch die Uni, nach Peking reisen werden und auch das Deutsch-Chinesische Fußballspiel ansteht.

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… Attendance, Konfuzius’ Erbe und Shanghai

Eine Woche Shanghai: viel erlebt, noch mehr gesehen und am meisten Neugierde geweckt.

Montag: Vorlesungsbeginn; Bewaffnet mit einem Stift und einem Block saßen wir um 10 Uhr im MBA Building auf dem Yanchang Campus und warteten auf unsere erste Vorlesung in China. Unser Dozent, gebürtiger New Yorker, stellte den Kurs, die Lerninhalte und Anforderungen an die Studenten vor: ein kurzes Essay, eine Gruppenpräsentation und ein weiteres Essay machen zusammen mit der Anwesenheit die Note aus. Es war relativ kompliziert auf dem kleinen Tischen alles mitzuschreiben, doch am Ende haben es alle geschafft. Nach zwei mal 40 Minuten Vorlesung, unterbrochen durch eine ausgiebige Pause, hatten wir schon wieder Mittag. Gestärkt  durch einen Wrap von einem Stand gegenüber vom Campus ging es anschließend in die zweite Vorlesung des Tages. Auch hier wurde der Kurs vorgestellt: neben einer Abschlussklausur bestimmen auch hier ein Essay und die Anwesenheit die Note. Beide Dozenten wirkten sehr bemüht, uns den Start in einer neuen Kultur möglichst angenehm zu gestalten. Wir bekamen Tipps, wo man gut und günstig essen gehen kann – für zwei Euro satt werden – und was man sich in China unbedingt anschauen sollte. Vielleicht versuchten sie so die Zeit bis Vorlesungsende zu überbrücken, da wir zu ihrem Erstaunen noch keine Bücher hatten.
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Das sollte sich jedoch am nächsten Tag ändern. Nach der einstündigen Busfahrt zum anderen Hochschulstandort, dem Jiading Campus, fanden wir uns auf einem riesigen Areal mit mehrstöckigen Lehrgebäuden, Sportanlagen und Grünflächen wieder. Dort erwartete uns eine kleine Gruppe unserer chinesischen Mentoren, um uns zum Vorlesungsraum zu begleiten. Sie erzählten uns auch, dass sie uns dort zum Mittagessen wieder abholen würden. Auch die Endnote der ersten Veranstaltung des Tages setzte sich aus einer Abschlussprüfung, einer Gruppenarbeit und der Anwesenheit zusammen – uns dämmerte die Ahnung, dass das hier der Standard ist. Zwei Tage später hatten wir Gewissheit. In der Vorlesungspause gingen wir unsere Bücher im Campus-eigenen Book Store kaufen. Wie angekündigt führten uns die Mentoren zum Mittagessen in die Mitarbeiter-Kantine, wo bereits das Team des International Offices auf uns warteten. Dort gab es ein vorbestelltes, chinesisches, Essen: Garnelen, frittierter Fisch, etwas Fleisch und noch zwei Sachen, von denen ich bis heute nicht weiß, was es war. Dazu wurde Reis und eine Suppe gereicht. Gestärkt und schwer beladen mit den Büchern ging es anschließend weiter zu einem kleinen Campus-Rundgang. In dieser halben Stunde haben uns die Mentoren die Sportanlagen, ein paar Kiosks und Supermärkte, so wie ihre Dorms mit dazugehörigen Waschhäusern gezeigt. Bevor wir eine allgemeine Begrüßungs- und Informationsveranstaltung vom International Office bekamen musste natürlich noch das obligatorische Gruppenfoto gemacht werden. In der Informationsveranstaltung gab es neben Stadtplänen und allgemeinen Informationen auch die Einladung, am Donnerstag Mittag den ältesten Konfuzianischen Tempel anzusehen und am Samstag an einer Stadt-Tour teilzunehmen. Nach zwei weiteren Vorlesungen nach obigem Muster ging es dann zurück ins Dorm. Voller Entdeckergeist machten sich ein paar auf die Suche nach einem Restaurant oder einer Bar in der Nähe des Campus. Da fiel uns auf, dass die chinesische Kultur nur wenig Zeit in Bars verbringt, weshalb wir uns nach dem Essen damit begnügten uns im Supermarkt zu versorgen und dann auf die Zimmer zu gehen.

Mittwochs startet der Tag immer zuhause am Yanchang Campus, endet dort aber, anders als Montag, nicht auch. Am Mittag saßen wir alle im Bus in Richtung des Stadtrandes. Hier erwarteten uns zwei Vorlesungen, von denen wir eine bereits am Montag hatten. Anschließend wartete der Bus bereits auf uns um uns zurück an den Yanchang Campus zu bringen. Fertig vom Tag und teilweise noch im Jetlag waren die meisten auch froh, bald im Bett zu liegen.IMG_8614

Das war auch empfehlenswert, da donnerstags der Bus bereits um zehn vor sieben uns auf den anderen Campus bringt. Dort erwartete uns, wie jeden Donnerstag, ein voller und anstrengender Tag. Auch die Mittagspause war anstrengend, aber schön. Die eindrucksvolle Tempelanlage lag inmitten eines liebevoll angelegten Parks und war nur wenige Minuten von dem Campus entfernt. Am Abend hatten wir nicht nur unsere erste Vorlesungswoche hinter uns, sondern vor allem auch das Wochenende vor uns. Nach einem Nickerchen im Bus waren die meisten wieder fit genug, die Innenstadt und die French Concession zu erkunden. Andere jedoch hatten noch Probleme mit der kulturellen Umstellung und verbrachten den Abend im Zimmer.IMG_8577

Freitag dann war genug Zeit, die ersten Hausaufgaben abzuarbeiten und die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Wenn man in den Häuserschluchten hin und her wandelt und keine Ecke zwei mal sieht bekommt man eine Ahnung davon, was es bedeutet, in einer der größten Metropolen der Welt zu sein.
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Die Luft und das Essen machten vielen von uns zu schaffen, so auch mir. Daher war ich nicht der einzige, der die Stadttour leider nicht mitmachen konnte, sondern statt dessen das Bett hütete um wieder auf die Beine zu kommen. Von den anderen wurde uns am Abend erzählt, dass sie neben einem tollen Park, schönen Tempeln und dem Kneipenviertel der Stadt am Abend auch einen Zirkus besucht haben. Hier haben Artisten mit Tischen jongliert, Menschen-Pyramiden gebaut und sind zu mehreren in einem kugelförmigen Metall-Käfig Motorrad gefahren. Das hätte ich alles auch gerne gesehen.IMG_8513

Der Sonntag wurde von den Meisten genutzt, um die Erlebnisse der Woche Revue passieren zu lassen und um auszuschlafen. Denn am Montag begann die zweite Vorlesungswoche…