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Vom Heldensein und kulinarischen Experimenten

Wir waren kaum von unseren eigenständigen Ausflügen vom langen Wochenende zurückgekehrt, da ging es schon direkt weiter nach Peking. Dieser Ausflug wurde von der Hochschule für uns organisiert. Auf uns wartete ein dreitägiger Trip in die chinesische Hauptstadt mit Besichtigung der Chinesischen Mauer und der Verbotenen Stadt.

Freitagmittag trafen wir uns alle am Hongqiao-Airport um die gemeinsame Reise anzutreten. Nach einem ca. Zweistündigen Flug sind wir in Peking gelandet und wurden von unseren Reiseleitern Amber und Collin empfangen. Anschließend fuhren wir zum Hotel, wo wir kurz Zeit zum ausruhen hatten, bevor es am Abend zum gemeinsamen Dinner ging. Es gab ganz traditionell: Peking-Ente. Obwohl wir am nächsten morgen sehr früh aufbrechen würden zur Chinesischen Mauer, haben wir es uns nicht nehmen lassen den Abend noch mit dem ein oder anderen Bier ausklingen zu lassen. Dies bot sich an, da nur wenige Gehminuten von unserem Hotel eine belebte Barstraße zu finden war.

Samstagmorgen, 7:30: Abfahrt zur Chinesischen Mauer

Nach einer kurzen Nacht, waren wir mehr als froh das wir noch zwei weitere Stunden im Bus schlafen konnten. Wir fuhren zu einem weiter nördlich gelegenen Abschnitt der Mauer, da dieser naturbelassener und weniger touristisch ist.

Bereits der Aufstieg auf die Mauer über einen Sessellift bot eine beeindruckende Aussicht über die grünen Berge und man konnte erstmals das Ausmaß der Mauer erahnen. Oben angekommen schossen wir schnell ein Gruppenfoto, bevor wir dann selbstständig die Mauer erklimmen konnten. Wir haben uns vorgenommen den steileren Abschnitt der Mauer zu besteigen, da hier weniger los war. Unsere Reiseleiter verabschiedeten uns noch mit den Worten: „Versucht bloß nicht das Ende der Mauer zu finden, dann seid ihr morgen noch unterwegs.“ Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft so weit vorzustoßen, bis wir einen zugemauerten Wachturm erreichten. Der Durchgang war hier zu Ende, da die Mauer ab dieser Stelle bereits von der Natur zurück geholt wurde. Getreu den Worten von Mao „Bevor man die Chinesische Mauer erreicht hat, ist man kein Held“ wollten wir unser Heldendasein noch weiter ausbauen und haben uns von dem zugemauerten Durchgang nicht aufhalten lassen. Durch ein Fenster kletterten wir auf den abgelegenen Abschnitt der Mauer, wo wir durch Ruinen und viel Grün noch weiter nach oben aufstiegen. Stolze 99 Stockwerke später kamen wir auf einem zerfallenen Wachturm an, von wo sich uns eine atemberaubende Aussicht bot. Bedauerlicherweise war es an dem Tag sehr nebelig, trotzdem hat sich der Aufstieg sehr gelohnt.

Erschöpft von den vielen Stufen, kam uns der Abstieg mit einer Rodelbahn sehr gelegen. Ein paar unserer Jungs waren etwas übermotiviert, schnellstmöglich unten zu sein, so dass es zu einem Massencrash kam. Glücklicherweise sind alle mit ein paar blauen Flecken und Schürfwunden noch glimpflich davon gekommen.

Nach einem weiteren gemeinsamen Abendessen sind wir noch für ein spezielles „Dessert“ zu einem traditionellen Food Market gefahren. Dort gab es neben vielen traditionellen chinesischen Gerichten, auch ungewöhnliche „Delikatessen“ wie Insekten. Es gibt nichts, was es dort nicht gab: von Tausendfüßler über Seestern bis hin zum Skorpion war alles dabei. Besonders die Jungs waren probierfreudig, aber es gab auch einige tapfere Mädchen. Ich selber habe mich an Schlange probiert und es hat gar nicht so schlimm geschmeckt wie erwartet, sondern nur wie ein sehr knuspriger Kartoffelchip.

Glücklicherweise hat jeder die kulinarischen Experimente vom Vorabend gut überstanden und so konnten wir dann am Sonntag zum letzten großen Programmpunkt starten: Die Verbotene Stadt. Hier konnte man die Historie Chinas sowie klassische chinesische Architektur bewundern. Die Verbotene Stadt erreicht man über den Tian‘anmen-Platz, den größten befestigten Platz der Welt und der Grabstätte Mao Zedongs. Von hier aus gelangt man durch das „Tor des himmlischen Friedens“ in die Kaiserstadt. Die Stadt ist geprägt durch einen rechtwinkligen Aufbau und zahlreiche Paläste. Alles ist in kaiserlichen Gelb-/Goldtönen gehalten. Umgeben ist das Ganze von einer hohen Mauer und einem tiefen Wassergraben. Leider war es an diesem Tag sehr heiß und voll, so dass wir uns ein schattiges Plätzchen im Kaisergarten suchten, wo wir nach einem eigenständigen Rundgang unsere Zeit verbrachten.

Die Rückreise bestritten wir nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem High-Speed-Train. Meiner Meinung nach die bequemere Art innerhalb Chinas zu verreisen. Das chinesische Bahnsystem ist unglaublich gut organisiert und es kommt im Gegensatz zu Deutschland nicht zu Verspätungen, überfüllten Gleisen und Drängeleien im Kampf um einen Sitzplatz. Zudem sind die Züge sehr komfortabel und man hat sogar mehr Beinfreiheit als im Flugzeug. Da der Zug eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 300km/h erreicht, waren wir bereits nach 4,5 Stunden wieder zurück in Shanghai.

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…Peking

Gleich nach der zweiten Unterrichtswoche in Shanghai wollte ich unbedingt Peking sehen. Nachdem alle neu erworbenen Freunde ihre kreativen Reiseideen in einen Topf geworfen hatten und alle sich einig waren „Da will ich auch hin!“, beschlossen wir zusammen nach Peking zu reisen. Das Leben ist zu kurz, um nur daheim zu sitzen – also in Shanghai.
Um am Ende nichts zu verpassen, sind wir an dem ersten längeren Wochenende nach Peking gereist, da wir am Montag keinen Unterricht hatten. Peking ist eine tolle Stadt. Meiner Reisegefährtin hat sie sogar noch besser gefallen als Shanghai.
Gereist sind wir selbstverständlich mit dem Hochgeschwindigkeitszug, welcher für den Peking 2Weg nur 5 ½ Stunden brauchte. Die Fahrt war überraschend einfach und angenehm.
Da wir schon Freitagnachmittag in Peking ankamen, konnten wir an demselben Tag noch den Bell Tower, den Drump Tower und die Altstadt besuchen. Hutong ist wunderschön mit seinen vielen kleinen Bars und Geschäften und erinnert beim Rundgang um den See an eine Gardasee-Atmosphäre.

Am nächsten Morgen haben wir auf eigene Faust die Mauer besucht, was uns in unserem Fall nicht günstiger kam. Am Busbahnhof hatte man uns betrogen, was hier nicht selten vorkommt und generell die Schattenseite von Peking ist – in Shanghai sind alle sehr freundlich und hilfsbereit.
Kaum waren wir in Peking aus dem Zug gestiegen, versuchten sie wieder, uns hinters Licht zu führen. Freunden von uns wurde dabei Falschgeld unter geschoben, bei uns haben sie es nur versucht. Vor allem beim Taxifahren sollte man vorsichtig sein.
Für eine Freundin von mir hat sich die Eigenerkundung allerdings gelohnt: Anstatt der 200 Yuan, die man für eine Tour zahlt, hat sie nur 20 Yuan für Fahrt und Eintritt gezahlt (Studentenausweis immer herzeigen, es kostet ja nichts zu fragen). Aber auch den hohen Preis war die Mauer auf jeden Fall wert.

Peking 3

Ich kann es nicht beschreiben, weder mit Worten noch mit Bildern. Man muss sich einfach selbst auf die Zinnen stellen und den Wind in den Haaren spüren, während man auf wilde chinesische Berge schaut.

Es ist schon anstrengend, die vielen Stufen hinauf und wieder hinunter zu steigen, vor allem, weil viele schief, steil oder gleich beides sind. Man schafft aber immer wieder sehr weite Strecken, ohne es wirklich zu bemerken, da man immer wieder neue Aussichten bewundert und neue Blickwinkel auf das Land erhascht. Meiner Meinung nach ist nichts so beeindruckend, wie dieses alte Bauwerk.

Peking 4Am Sonntag haben wir den Tempel of Heaven besichtigt. Er ist schon schön, aber das ist auch alles. Wer wenig Zeit hat, sollte den auf jeden Fall auslassen, denn er ist eher touristisch und künstlich als spirituell. Der Lama Tempel, den wir am selben Tag noch besuchten, war sehr viel beeindruckender. Man konnte auch in die Gebetsstätten hinein und sich dort Statuen und Bildnisse ansehen. Die Menschen dort sind keine Touristen, wie im Tempel of Heaven, sondern Gläubige. Überall riecht man die geopferten Räucherstäbchen und in jedem neuen Winkel findet man einen Altar mit neuen unbekannten Göttern. Am schönsten und beeindruckensten ist für mich jedes Mal wieder die Darstellung der drei goldenen Sonnen-Buddhas mit blauem Haupt. Diese Darstellung zeigt mir so viel über den Glauben und die Menschen, über ihr ganzes Weltbild. Ich würde sie sogar der riesigen, aus einem Baum geschnitzten Buddha Statue im Hauptgebäude vorziehen. Die Maitreya Buddha Statue ist 18 Meter hoch und war ein Geschenk des siebten Dalai Lama an den damaligen Kaiser von China. Sie ist so groß, dass sie eigentlich nicht auf ein Foto passt^^

Der Montag gehörte zur Hälfte der verbotenen Stadt und zur anderen Hälfte der Heimreise. Die verbotene Stadt ist es auf jeden Fall Wert, sie zu sehen. Man sollte früh da sein, um nicht in Chinesenmengen zu ertrinken und sich auf jeden Fall etwas zu Essen mitnehmen, da man sich dort nichts kaufen kann.

Peking 5

Die ersten großen Paläste sind sehr beeindruckend und die Menschenmassen schaden dem Ort nicht so, wie sie den Tempeln ihren Spirit nehmen. Alleine an der Architektur sieht man, dass diese Gebäude hauptsächlich zum Bestaunen gebaut wurden.
Dem Yu Garden haben die Menschen seine innere Ruhe genommen, doch die verbotenePeking 6 Stadt scheint wie dafür geschaffen. Ich fand sogar den Palastgarten der verbotenen Stadt schöner als den Yu Garden. Auch hier wieder, weil er wie dafür gemacht schien, viele Menschen zu beherbergen, ohne seine Wirkung zu verlieren. Vielleicht habe ich mich aber auch einfach in der Zwischenzeit daran gewöhnt.
Das Schönste war das Wandern in den kleinen Nebengassen, in denen „unwichtigere“ Adelige und Berater gewohnt haben. Die Museen waren ihren Eintritt allerdings nicht wert, auch wenn der nur 1,30€ betragen hat. In Deutschland sind wir an wunderbare Ausstellungen und tolle interaktive Museen gewöhnt. Außerdem ist in jedem noch so kleinen deutschen Dorf, in dem irgendeine Mühle zur Besichtigung steht, die Erklärung auf Englisch und auf Deutsch geschrieben. Doch in der verbotenen Stadt, dem sichtigsten Wahrzeichen der Hauptstadt Chinas, ist das nicht der Fall. Peking 7
Die Heimreise war anstrengend, aber auch so angenehm wie möglich und angesichts meiner noch auf mich wartenden Englisch Hausaufgaben, erschien mir die Fahrt sogar etwas zu kurz. 😉

 

…Beijing

Peking steht in vielen Reiseführern und Reise-Journalen als ‚Must-Have-Seen’. Also sind wir dort hingefahren und haben uns ein eigenes Bild gemacht – und wurden nicht enttäuscht.

„Wenn wir schon mal in China sind, dann sollten wir uns auf alle Fälle auch Peking anschauen!“ war ein häufig gehörter Satz. Also haben wir uns ein Wochenende ausgesucht, Zug und Hotel gebucht und sind dort hin gefahren.

Freitagmorgen um 05:45 Uhr haben wir 11 uns vor unserem Dorm getroffen und sind zum Hongqiao-Hub gefahren, von wo aus der Zug losfuhr. In dem – weltweit flächenmäßig größten – Bahnhof wurden wir durch Sicherheits-Checks geschleust, bevor wir am Zugang zu den Bahngleisen gewartet haben. Es hat uns viel mehr an das Boarden eines Fliegers als das Zusteigen in einen Zug erinnert. Auf der Zugfahrt dann war genügend Zeit, Reiseführer zu studieren oder zu schlafen, was die Mehrheit auch genutzt hat.

5 ½ Stunden später waren wir in Peking. Nach dem Einchecken haben wir dort auch zu Mittag gegessen und die kommenden Tage geplant. Am selben Tag wollten wir noch die Verbotene Stadt und den Platz des Himmlischen Friedens anschauen, Samstag zur Chinesischen Mauer und am Sonntag das, was wir nicht geschafft haben. Einige wollten die „echte“, unrenovierte Mauer sehen, während ich mich mit drei anderen entschloss, die touristische, renovierte Mauer anzusehen.

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Nach dem Mittagessen sind wir dann mit Taxen zur Verbotenen Stadt gefahren, wobei die Taxifahrer diese Angabe unterschiedlich interpretierten. Mein Taxi und ein anderes wurden am Südende des Platz des Himmlischen Friedens raus gelassen, das dritte Taxi am Nordende vor den Toren der Verbotenen Stadt. Es dauerte 2 Stunden, bis wir die anderen erreicht hatten. Der größte befestigte Platz der Welt bot zu viele Möglichkeiten, um Fotos zu machen. Als wir dann endlich an der Verbotenen Stadt waren, hatte diese bereits zu. Das war ärgerlich, allerdings gab es noch einen Garten, den wir uns gerne anschauten. Als wir uns wieder auf den Heimweg machten, konnten wir noch das Einholen der chinesischen Flagge auf dem Platz des Himmlischen Friedens beobachten.

Am Abend sind wir dann Beijing Roast Duck essen gewesen. Die Bedienungen im Restaurant staunten etwas, dass wir zu elft insgesamt fünf Enten wollten. Und die Köche haben sich gefreut, da sie das Geflügel direkt an unserem Tisch zerlegen durften. Die geschnittenen Enten-Stücke wurden dann auf die drehbare Glasscheibe in der Mitte des Tisches gestellt und jeder konnte sich Wraps mit Ente, Sojasauce, Gemüse und anderen Beilagen nach seinem persönlichem Geschmack machen. So ein Restaurant muss ich in Deutschland unbedingt finden!

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Am nächsten Tag fiel das Aufstehen besonders schwer: Die Betten waren, besonders im Vergleich zum Dorm, sehr bequem und um 06:30 Uhr holte uns Jo, unser Fahrer für den Tag, ab. Er brachte uns nach Badaling zur Chinesischen Mauer und wartete dort auf uns, während wir die Mauer anschauten. Diese war, wie man sie von Postkarten her kennt, und auch das Wetter hat seinen Teil dazu beigetragen. Doch ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte…

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Anschließend brachte Jo uns zu den Gräbern der Ming-Dynastie. Wobei „Grab“ eher als riesiger Hügel mit diversen Tempeln und Plätzen davor verstanden werden muss. Die Grabanlagen lagen malerisch in der hügeligen Landschaft vor den Toren der Chinesischen Hauptstadt. Anschließend zeigte unser Fahrer uns die Olympia-Stadien, bevor er uns im Hotel wieder absetzte.

Nachdem es gerade einmal Nachmittag war, beschlossen wir, nochmal unser Glück an der Verbotenen Stadt zu versuchen. Wieder erfolglos, haben wir eine Rikscha-Tour durch eines der angrenzenden Hutong, ein altes Stadtviertel, gemacht. Am Abend haben wir die andere Gruppe wieder getroffen, um zusammen in ein anderes Hutong zum Essen zu gehen. Dort gab es die besten Mojitos seit langem, so dass der Abend etwas länger wurde…

Sonntag konnten wir dann endlich ein bisschen ausschlafen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es per Fahrrad zum Temple of Heaven, meinem persönlichem Highlight in Peking. Der Runde Tempel steht auf einem Podest in der Mitte eines Platzes auf einem Hügel. Dieser Hügel ist umgeben von der größten Parkanlage, die zu einem Tempel gehört. In diesem Park waren diverse Gruppen am Singen, Tanzen, Sport betreiben oder einfach nur zwischen den Bäumen flanieren. Am Tempel selbst waren diverse Paare, die Hochzeitsfotos schossen, oder Models, die mit traditionellen chinesischen Kleidern vor der Tempelanlage posierten.

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Nach dem Tempel ging es dann endlich in die Verbotene Stadt. Dieses Mal waren wir rechtzeitig dort, hatten jedoch nur eine Stunde bis wir zum Zug mussten. Und eine Stunde war zu wenig um die weitläufige Anlage mit ihren Gebäuden und Plätzen kennen zu lernen. Aber das werde ich eines Tages noch nachholen. Jetzt kenne ich die Öffnungszeiten ja…

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