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Das chinesische Hawaii

Hier in China ist, ebenso wie in Deutschland, der 1. Mai ein Feiertag, so dass uns ein verlängertes Wochenende bevorstand. Dies nahmen wir uns als Anlass zu verreisen. Der Großteil von uns sehnte sich nach ein paar Tagen Entspannung, so beschlossen wir in zwei großen Gruppen nach Hainan zu fliegen, auch bekannt als das Hawaii Chinas. Hainan ist eine große Insel im Süden Chinas. Die Insel ist geprägt durch tropisches Klima, schöne Strände und Regenwälder.

Wir mieteten uns mit jeweils zwei Gruppen eine Villa in Sanya, einer Stadt im Süden der Insel. Hier sollte es die schönsten Strände geben. Obwohl wir ca. Eine halbe Stunde entfernt voneinander wohnten, haben wir trotzdem viel Zeit zusammen verbracht. Sei es eine Grillparty bei uns, Poolparty bei den anderen oder einfach zusammen am Strand entspannen. Es war wahnsinnig cool mit so einer großen Gruppe unterwegs zu sein, da wir uns alle untereinander sehr gut verstehen.

Während unserer Zeit auf Hainan wollten wir zum einen am Strand entspannen und das super Wetter genießen, und zum anderen die Insel mit ihrer Vielfältigkeit erkunden.

Besonders der Süden der Insel ist für seine schönen Strände bekannt. Der größte und bekannteste Strand ist die Ya Long Bay. Hier gibt es kilometerweiten Sandstrand, glasklares Wasser und viele Aktivitäten wie z.B. Jetski fahren. Aber auch die kleineren Strände sind sehr zu empfehlen, da hier meist weniger los ist. Generell sind die Strände Chinas nicht so überlaufen, da die Chinesen die Sonne meiden und erst nach Sonnenuntergang rausgehen. So ernteten wir beim Sonnenbaden den ein oder anderen kritischen Blick der Chinesen, die diese viel Wert auf ihre „vornehme Blässe“ legen und unsere Ambition in den paar Tagen möglichst viel Sonne zu tanken nicht nachvollziehen konnten.

Mein persönliches Highlight auf Hainan war unsere Wanderung auf dem Diao Luo Mountain. Dies ist ein Nationalpark mit Regenwald und Wasserfällen. Die Aufstieg ist simpel und führt über einen befestigten Weg 12km bergauf. Die konstante Steigung und Hitze zerrte allerdings nach 7km so sehr an unseren Kräften, dass wir ein vorbei fahrendes Auto anhielten, welches uns die letzten Meter mitnahm. Oben angekommen wurden mit einem spektakulären Wasserfall belohnt. Nach einer Verschnaufpause und Abkühlung im Wasser traten wir dann den Abstieg an, den wir, wenn auch mit mittlerweile zittrigen Beinen, in einem Stück meisterten. Dafür wurden wir am nächsten Tag auch mit ordentlich Muskelkater belohnt.

Nach fünf Tagen waren wir bereit entspannt unsere Rückreise anzutreten, doch das sollte leider nicht so bleiben. Nachdem wir den Tag in Haikou, der Hauptstadt Hainans und unser Abflugort, verbracht haben, freuten wir uns wieder zurück nach Shanghai zu fliegen. Kurz vor Abflug kam dann allerdings die Meldung unser Flug sei auf Grund von schlechten Wetterverhältnissen verspätet. Leider sprach niemand am Flughafen vernünftig Englisch und konnte uns eine Auskunft geben wie lange wir warten müssten. Nach geschlagenen vier Stunden Wartezeit dann die Schocknachricht: der Flug wird gestrichen. Und wieder konnte uns niemand sagen, wie jetzt weiter verfahren wird. Dank Google-Translator und der Hilfe einer sehr freundlichen, jungen Chinesin haben wir schließlich erfahren, dass der Flug am nächsten Tag nachgeholt wird und wir für die Nacht in ein Hotel gebracht werden. Bis das rauskam, war es allerdings schon 4 Uhr Nachts. Ich bin sehr froh in dieser Situation nicht alleine gewesen zu sein, sondern in meiner Gruppe, da wir uns gegenseitig beruhigen konnten und gemeinsam eine Lösung finden konnten. Mit geschlagenen 16 Stunden Verspätung kamen wir dann am nächsten Tag in Shanghai an. Auch wenn ich auf diese Erfahrung gerne verzichtet hätte, hatte sie im Endeffekt auch etwas gutes, da es unsere Gruppe noch enger zusammengeschweißt hat. Alles in einem überwiegen aber die guten Erinnerungen an Hainan und auch der chaotische Abschluss konnte uns das Wochenende nicht vermiesen.

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Vom Heldensein und kulinarischen Experimenten

Wir waren kaum von unseren eigenständigen Ausflügen vom langen Wochenende zurückgekehrt, da ging es schon direkt weiter nach Peking. Dieser Ausflug wurde von der Hochschule für uns organisiert. Auf uns wartete ein dreitägiger Trip in die chinesische Hauptstadt mit Besichtigung der Chinesischen Mauer und der Verbotenen Stadt.

Freitagmittag trafen wir uns alle am Hongqiao-Airport um die gemeinsame Reise anzutreten. Nach einem ca. Zweistündigen Flug sind wir in Peking gelandet und wurden von unseren Reiseleitern Amber und Collin empfangen. Anschließend fuhren wir zum Hotel, wo wir kurz Zeit zum ausruhen hatten, bevor es am Abend zum gemeinsamen Dinner ging. Es gab ganz traditionell: Peking-Ente. Obwohl wir am nächsten morgen sehr früh aufbrechen würden zur Chinesischen Mauer, haben wir es uns nicht nehmen lassen den Abend noch mit dem ein oder anderen Bier ausklingen zu lassen. Dies bot sich an, da nur wenige Gehminuten von unserem Hotel eine belebte Barstraße zu finden war.

Samstagmorgen, 7:30: Abfahrt zur Chinesischen Mauer

Nach einer kurzen Nacht, waren wir mehr als froh das wir noch zwei weitere Stunden im Bus schlafen konnten. Wir fuhren zu einem weiter nördlich gelegenen Abschnitt der Mauer, da dieser naturbelassener und weniger touristisch ist.

Bereits der Aufstieg auf die Mauer über einen Sessellift bot eine beeindruckende Aussicht über die grünen Berge und man konnte erstmals das Ausmaß der Mauer erahnen. Oben angekommen schossen wir schnell ein Gruppenfoto, bevor wir dann selbstständig die Mauer erklimmen konnten. Wir haben uns vorgenommen den steileren Abschnitt der Mauer zu besteigen, da hier weniger los war. Unsere Reiseleiter verabschiedeten uns noch mit den Worten: „Versucht bloß nicht das Ende der Mauer zu finden, dann seid ihr morgen noch unterwegs.“ Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft so weit vorzustoßen, bis wir einen zugemauerten Wachturm erreichten. Der Durchgang war hier zu Ende, da die Mauer ab dieser Stelle bereits von der Natur zurück geholt wurde. Getreu den Worten von Mao „Bevor man die Chinesische Mauer erreicht hat, ist man kein Held“ wollten wir unser Heldendasein noch weiter ausbauen und haben uns von dem zugemauerten Durchgang nicht aufhalten lassen. Durch ein Fenster kletterten wir auf den abgelegenen Abschnitt der Mauer, wo wir durch Ruinen und viel Grün noch weiter nach oben aufstiegen. Stolze 99 Stockwerke später kamen wir auf einem zerfallenen Wachturm an, von wo sich uns eine atemberaubende Aussicht bot. Bedauerlicherweise war es an dem Tag sehr nebelig, trotzdem hat sich der Aufstieg sehr gelohnt.

Erschöpft von den vielen Stufen, kam uns der Abstieg mit einer Rodelbahn sehr gelegen. Ein paar unserer Jungs waren etwas übermotiviert, schnellstmöglich unten zu sein, so dass es zu einem Massencrash kam. Glücklicherweise sind alle mit ein paar blauen Flecken und Schürfwunden noch glimpflich davon gekommen.

Nach einem weiteren gemeinsamen Abendessen sind wir noch für ein spezielles „Dessert“ zu einem traditionellen Food Market gefahren. Dort gab es neben vielen traditionellen chinesischen Gerichten, auch ungewöhnliche „Delikatessen“ wie Insekten. Es gibt nichts, was es dort nicht gab: von Tausendfüßler über Seestern bis hin zum Skorpion war alles dabei. Besonders die Jungs waren probierfreudig, aber es gab auch einige tapfere Mädchen. Ich selber habe mich an Schlange probiert und es hat gar nicht so schlimm geschmeckt wie erwartet, sondern nur wie ein sehr knuspriger Kartoffelchip.

Glücklicherweise hat jeder die kulinarischen Experimente vom Vorabend gut überstanden und so konnten wir dann am Sonntag zum letzten großen Programmpunkt starten: Die Verbotene Stadt. Hier konnte man die Historie Chinas sowie klassische chinesische Architektur bewundern. Die Verbotene Stadt erreicht man über den Tian‘anmen-Platz, den größten befestigten Platz der Welt und der Grabstätte Mao Zedongs. Von hier aus gelangt man durch das „Tor des himmlischen Friedens“ in die Kaiserstadt. Die Stadt ist geprägt durch einen rechtwinkligen Aufbau und zahlreiche Paläste. Alles ist in kaiserlichen Gelb-/Goldtönen gehalten. Umgeben ist das Ganze von einer hohen Mauer und einem tiefen Wassergraben. Leider war es an diesem Tag sehr heiß und voll, so dass wir uns ein schattiges Plätzchen im Kaisergarten suchten, wo wir nach einem eigenständigen Rundgang unsere Zeit verbrachten.

Die Rückreise bestritten wir nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem High-Speed-Train. Meiner Meinung nach die bequemere Art innerhalb Chinas zu verreisen. Das chinesische Bahnsystem ist unglaublich gut organisiert und es kommt im Gegensatz zu Deutschland nicht zu Verspätungen, überfüllten Gleisen und Drängeleien im Kampf um einen Sitzplatz. Zudem sind die Züge sehr komfortabel und man hat sogar mehr Beinfreiheit als im Flugzeug. Da der Zug eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 300km/h erreicht, waren wir bereits nach 4,5 Stunden wieder zurück in Shanghai.

Retter in der Not

In Shanghai bekommt jeder deutsche Student einen Study Buddy zugeteilt. Study Buddies sind chinesische Studenten der Shanghai University und sind unsere Ansprechpartner für das ganze Semester. Da hier auch alltägliche Situationen, wie z.B. der Gang in die Apotheke, zu einer Herausforderung werden können, ist es immer gut jemanden zu haben der einem helfen kann.

Wie wichtig die Study Buddies sind habe ich bei meiner Ankunft in Shanghai direkt hautnah erleben dürfen. Ich bin alleine nach Shanghai geflogen, sollte aber ungefähr zeitgleich mit einer Gruppe aus München ankommen. Dort sollten wir von einigen Buddies in Empfang genommen werden und gemeinsam zum Wohnheim fahren. Als ich aus dem Sicherheitsbereich rausging sah allerdings leider alles anders aus als es mir zuvor beschrieben wurde und ich konnte weit und breit niemanden mit einem Schild, welches uns Fresenius-Studenten begrüßen sollte, sehen. Nach langem Ausschauhalten wurde mir dann klar: „Irgendwas stimmt hier nicht.“ Mit Sack und Pack bin ich also losgelaufen mit nur einem Ziel: WLAN. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine chinesische SIM-Karte und daher war mein Handy ziemlich nutzlos, aber ich musste irgendwie in Kontakt mit den Buddies kommen. Zum Glück gab es am Flughafen englischsprachiges Personal, welches mir weiterhelfen konnte.

Leider war mein persönlicher Buddy zu meiner Ankunft nicht in Shanghai, aber hat mir den Kontakt von einem Freund gegeben: Timothy. Timothy (oder auch Timmy) hat sich schnell als „Über-Buddy“ von uns allen herauskristallisiert, da er auch privat noch viel mit uns unternehmen sollte. Im WLAN eingeloggt kontaktierte ich Timmy über WeChat, welcher mir glücklicherweise auch sofort antwortete. Leider war das Problem damit immer noch nicht gegessen, da wir lange gebraucht haben überhaupt erstmal herauszubekommen, wo ich mich befinde und was schief gelaufen ist. Ruckzuck waren dann auch noch zwei andere Buddies involviert mich zu suchen. Im Endeffekt stellte sich dann heraus, dass ich am falschen Terminal gelandet bin. Dort wurde ich dann eingesammelt und zu der anderen Gruppe gebracht.

Wenn man in einem ungewohnten Umfeld ankommt, wo man die Sprache nicht spricht und der zwölf-stündige Flug einem noch in den Knochen sitzt, ist es sehr beruhigend, wenn man jemanden hat an den man sich wenden kann, wenn etwas schief läuft.

Die Buddies verbrachten vor allem an den ersten Tagen viel Zeit mit uns. Sie halfen uns in Shanghai anzukommen und alles zu organisieren. Sie zeigten uns die Gegend, gaben uns Tipps zum Essen gehen, halfen uns vor allem beim essen bestellen, bestellten Taxis, haben Geld für uns bei den Banken umgetauscht und besorgten uns eine chinesische SIM-Karte, damit wir besser erreichbar sind.

Am Anfang dachten wir uns nur „Wie sollen wir jemals ohne die Buddies zurechtkommen?“ Glücklicherweise klappt das aber mittlerweile doch ganz gut. Die Buddies haben sich nach und nach etwas zurückgezogen, so das wir uns gut eingewöhnen konnten und nicht plötzlich alleine da standen. Vor allem mit Beginn der Uni wurde der Kontakt weniger und wir fingen an selbstständiger zu werden, da auch die Buddies nun wieder Vorlesungen hatten und ihr Alltag weiterging. Aber auch jetzt, nach dem wir über einen Monat hier sind, haben wir noch regelmäßig Kontakt. Manchmal sieht man sich auf dem Campus, aber auch sonst kann man sich immer per WeChat an seinen Buddy wenden. Egal ob es dabei um den Gang zur Apotheke, Essensbestellungen oder sogar Reiseplanung geht. Einige Buddies sind mittlerweile sogar fester Bestandteil unserer Gruppe geworden und gehen regelmäßig mit uns feiern, verreisen oder verbringen Zeit mit uns im Wohnheim. Es haben sich dabei richtige Freundschaften entwickelt.

Zurechtfinden im Großstadtdschungel

Wow, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Shanghai ist noch viel beeindruckender und vielseitiger als ich es mir je hätte vorstellen können. Ich bin jetzt seit zwei Wochen hier und kann es immer noch nicht glauben. Jeder Tag hier ist ein Abenteuer und man kann immer wieder etwas Neues erleben. Damit wir jedoch nicht im Großstadtdschungel untergehen hat die Fresenius eine „Culture Week“ für uns zur Orientierung organisiert. Diese umfasst alles von Sightseeing, Organisatorischem, gemeinsamem Essen bis hin zu Unternehmensbesichtigungen.

Nachdem wir uns am Wochenende alle langsam im Wohnheim eingerichtet haben, ging es am Montagmorgen gemeinsam zum Jiading Campus, wo unsere Vorlesungen stattfinden werden. Dort wurden wir herzlich von einigen Buddies, Dozenten und unserer Ansprechpartnerin Alice begrüßt. Anschließend haben wir eine kleine Campusführung von den Buddies bekommen, damit wir uns zum Vorlesungsbeginn nächste Woche alleine zu recht finden können. Abgerundet wurde der Vormittag noch mit einem gemeinsamen Essen in der Kantine. Am Nachmittag ging es weiter in die Jiading Oldtown – nur einen Fußmarsch entfernt vom Campus. Dort besichtigten wir zu erst einen Confucius Temple und sind dann weiter in die Jiading Old Street. Hier gab es viele kleine chinesische Boutiquen und Streetfood. Damit war der Tag für uns auch schon wieder zu Ende und wir sind zurück zum Wohnheim gefahren.

Am Dienstag gab es nur einen großen Programmpunkt: Besichtigung des VW-Werks in Shanghai. Nach einer kurzen Busfahrt kamen wir am Unternehmen an. Zum Einstieg wurde uns ein Film über den Standort Shanghai gezeigt. Nun wurde es spannend: Wir wurden mit einem kleinen Shuttle durch die Produktionshallen von VW gefahren. Leider durften wir keine Fotos machen, aber es war wahnsinnig beeindruckend die großen Maschinen und komplizierten Prozesse aus der Nähe zu beobachten. Am Abend ist eine kleine Gruppe von uns mit den Buddies Richtung Stadt gefahren zum Hot-Pot essen. Hot-Pot ist eine Art Fondue. Man hat eine große Suppenschüssel in der Mitte des Tisches, in der man von Gemüse bis Fleisch alles kochen kann.

Mittwoch ging es zurück zur Uni, da noch einiges an Organisatorischem geklärt werden musste. Zu erst erklärten die Buddies uns den chinesischen Uni-Alltag mit allen Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Dann wurden unsere Unterlagen die zur Anmeldung an der SHU benötigt werden eingesammelt. Außerdem haben wir unsere Studentenausweise bekommen und hatten die Möglichkeit Bücher zu kaufen.

Für Donnerstag war ein weniger straffes Programm angesetzt. Morgens hatten wir die Möglichkeit das Wohnheim zu bezahlen. Der restliche Tag stand uns zur freien Verfügung. Lediglich am Abend war ein gemeinsames Abendessen geplant, aber dazu später mehr. Ich habe mich mit einer kleinen Gruppe auf in Richtung Stadt gemacht. Dort haben wir den Kunstkomplex M50 besichtigt. Das ist ein kleines Industriegelände mit vielen kleinen Galerien, in denen Künstler ihre Werke ausstellen. Hier ist für jeden etwas dabei: Gemälde, Skulpturen, Fotografie. Im Anschluss sind wir in den Nahe gelegenen Jade Buddah Temple gegangen. Hier gab es wunderschöne alte chinesische Architektur und eindrucksvolle Statuen zu bestaunen, während sich im Hintergrund die Hochhäuser Shanghais in den Himmel streckten. Weiter ging es in das französische Viertel, wo wir viele coole Bars und Cafés gefunden haben (Pro-Tipp: Nehmt euch immer die Visitenkarte von einem Restaurant mit, wenn es euch gefällt, sonst findet ihr den Laden nie wieder). Der Tag verging mal wieder unglaublich schnell und schon stand das gemeinsame Abendessen mit der Fresenius an. Es ging für alle in das Paulaner Brauhaus, für ein bisschen Heimatgefühl. Das Menü bestand aus einer Waldpilzsuppe, Schnitzel und Birnenkuchen. Mit vollgeschlagenem Bauch ist der Großteil von uns in die Bar Rouge gefahren, um dort den Abend ausklingen zu lassen. Die Bar Rouge ist eine Rooftop-Bar am Bund mit perfektem Blick auf die Skyline von Shanghai. Leider haben wir die Lichter der großen Türme verpasst, da diese um 22 Uhr ausgeschaltet werden. Aber die Aussicht war trotzdem spektakulär und wir hatten einen schönen Abend.

Die Woche verging wie im Flug. Es ist schon Freitag und damit der letzte Tag der Culture Week. Heute steht erneut Sightseeing auf dem Plan, aber diesmal geht es in die Innenstadt. Erster Halt war die chinesische Altstadt Shanghais inklusive eines Besuchs im Yu-Garden. Hier sieht es so aus, wie man es sich in China vorstellt: viele kleine Gassen, Koi-Fische und tempelartige Bauten. Als nächstes stand ein gemeinsames chinesisches Mittagessen an, bevor wir einen kleinen Abstecher in das französische Viertel machten. Gestärkt von einem Kaffee sind wir zum Fake-Market gefahren. Der Fake-Market besteht aus einer Ladenstraße in einer Art Fabrikgebäude. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt: Taschen, Schuhe, Uhren, Elektronik, Kleidung und Accessoires. Obwohl viele von uns bereits fündig geworden sind, werden wir auf jeden Fall noch mal wiederkommen, da wir längst nicht alles geschafft haben. Der nächste Programmpunkt war wieder einmal essen. Diesmal direkt am Bund. Leider hatten wir auf Grund des dichten Verkehrs in der Stadt etwas Verspätung und hatten keine Zeit uns die Skyline (dieses mal sogar beleuchtet) anzugucken. Trotzdem hat sich eine kleine Gruppe von uns den Moment nicht nehmen lassen und wir sind schnell die Promenade hoch gelaufen. Beim Anblick der Skyline und den vielen Lichtern hat es mir die Sprache verschlagen. Ich habe mich zum ersten mal richtig angekommen gefühlt und konnte es gleichzeitig nicht fassen, dass ich tatsächlich hier bin und diese wunderschöne, aufregende Stadt nun mein Zuhause nennen darf. Ein Moment, an den ich mich wahrscheinlich immer erinnern werde. Leider wurde ich schnell aus meiner Trance herausgerissen, da der nächste und letzte Programmpunkt auf uns wartete: eine Akrobatik-Show. Die vielen Kunststücke und Performances bildeten einen entspannten Abschluss für einen ereignisreichen Tag.

Dank der Culture Week, habe ich nun das Gefühl die wichtigsten Ecken der Stadt einmal kennengelernt zu haben und fühle mich jetzt bereit das Abenteuer Auslandssemester alleine zu meistern. Jegliche Bedenken, im Großstadtdschungel verloren zu gehen, sind weg und ich fühle mich hier bereits nach den ersten Wochen wie zu Hause.

Shanghai… die einwohnerreichste Stadt der Welt

Am 25.08.2017 kam endlich der langersehnte Tag. Ich betrat das erste Mal in meinem Leben chinesischen Boden. Ein Tag auf den ich lange gewartet habe und im ersten Moment nicht realisieren konnte, dass es nun endlich los ging: Mein Auslandssemester in Shanghai. Wie man jedoch so schön sagt ist aller Anfang schwer. Auch mein erster Tag lief alles andere als geplant. Da mein studybudy selbst noch im Urlaub war, bat sie eine Freundin mich vom Pudong International Airport abzuholen. Aufgrund eines Taifuns landete jedoch mein Flieger nicht wie ursprünglich angenommen im westlich gelegenen Flughafen, sondern auf dem östlich gelegenen Flughafen Shanghai Hongqiao. Daher wurde ich leider von keiner Person empfangen und ohne SIM-Karte war ich auf mich alleine gestellt. Somit beschloss ich mit den Informationen die ich vorab bekommen hatte zum Boashan Campus, meinem neuen Zuhause zu gelangen. Zum Glück lernte ich auf der Metrofahrt eine junge Frau aus Hongkong kennen, die mir half durch das Labyrinth des gigantisch wirkenden Shanghaier Metronetzes den richtigen Weg zu finden. Die Fahrt war ein wahres Erlebnis, was durch eine Ankunft nach langer Fahrt sein krönendes Happy End fand.

Alle Teilnehmer des Programms wurden durch gut organisierte Culture Days willkommen gehießen. Das Programm dieser ersten Tage in Shanghai setzten sich aus zwei Sightseeing-Touren, einer Werksbesichtung und einer Begrüßungsveranstaltung auf dem nördlich gelegenen Jiading Campus zusammen. Höhepunkt der Sightseeing-Touren war ohne Zweifel der über 400 Jahre alte Yu-Garten im Norden der Altstadt Shanghais. Er zählt zu den bekanntestesten Beispielen chinesischer Gartenkunst und bergt mit seiner Schönheit eine wahre Oase inmitten der 26 Millionen Einwohner Metropole. Ein Ort den ich jeden Besucher ans Herz legen möchte.

Die Werksbesichtung fand in mitten der Produktion einer der größten Firmen der Welt statt. Wir besichtigten das Werk der Coca-Cola Company im Shanghaier Industriegebiet Wujingzen. Jeder von uns hat schonmal eine Cola getrunken, doch wie die dunkle Flüssigkeit den weg in die Flasche fand, blieb uns bis zu diesem Zeitpunkt verborgen. Es war eindrucksvoll die Maschinen hautnah zu erleben, welche 24h an 7 Tagen die Woche unermüdlich Millionen Coladosen abfüllten.

Voller neuer Eindrücke endeten unsere Culture Days mit der Begrüßungsveranstaltung auf dem Campus. Mit freundlichen Worten wurden alle Programmteilnehmer auf das bevorstehende Semester vorbereitet. Dementsprechend gespannt erwarteten wir den ersten Tag an der Shanghai University….

Peking, die nördliche Hauptstadt

Freitag Mittag trafen sich alle Mitstudenten des HS Fresenius Auslandssemesterprogamms am Hongqiao international Airport um für ein gemeinsames Wochenende chinas Hauptstadt zu besuchen. Peking das politische und kulturelle Zentrum des Landes, welches im Gegensatz zu Shanghai das traditionelle China repräsentiert und viele beeindruckende Kontraste zu dem 1300 Kilometer südlicher gelegenen Shanghai bereit hielt.

Am frühen Abend landeten wir in Peking und bekamen zunächst Zeit auf dem Hotelzimmer, um uns auszuruhen und Kraft zu sammeln für die anstehenden zwei Tage, die aufgrund der knappen Zeit von zahlreiche Ausflüge und Aktivitäten durchzogen waren. Das erste Abendessen verbrangen wir gemeinsam bei einem nahe gelegenen Restaurant, in dem traditionelle Peking Ente serviert wurde. Die Peking Ente zählt zu einem der berühmtesten chinesischen Gerichte. Wegen dem besonders zarten Fleisch, dem weichen Geschmack und gesunden Fettsäuren, jedoch nicht fettig, ist sie als Delikatesse weltbekannt und sollte innerhalb eines Pekingbesuches unbedingt auf der Speisekarte stehen. IMG_1756Anschließend ließen wir gemeinsam den Abend mit einem Drink in einer nahegelegenen Bar ausklingen. Nach wenigen Stunden brachen jedoch die meisten Person wieder zurück in das Hotelzimmer auf, da bereits früh am Morgen ein Highlight der gesamten Reise auf der Agenda stand: Die chinesische Mauer. Direkt nach dem Frühstück brachte uns ein Reisebuss nach Mutianyu, ein 65 Kilometer nördlich gelegener Abschnitt der chinesischen Mauer. Dieser Abschnitt gilt als einer der sehenswertesten, da er sehr gut erhalten ist und in eine wunderschöne Berglandschaft eingebettet ist. Aufgrund der hohen Lage wurden wir zunächst von einer Seilbahn zu der massiven Steinmauer gebracht. Anschließend hatten wir zwei Stunden Freizeit um die historische Verteidigungsanlage selbst zu erkunden und das optimale errinerungsfoto zu schießen.IMG_1757

Ich würde jedem empfehlen auch auf mauerabschnitte zu gehen die schwer zu erreichen sind, selbst wenn es viel Kraft benötigt diese zu erklimmen. Erst dann kann man auch mal den Touristenströmen entgehen und die einzigartige Aussicht genießen. Das krönende Finale dieses Ausfluges lag im Abstieg selbst. Auf einer sommerrodelbahn fuhren wir geschlossen die zuvor erklommenen Höhenmeter wieder runter und brachen niemals verstellbare Geschwindigkeitsrekorde.IMG_1761 Am Abend erreichten wir wieder chinas Hauptstadt und genossen bei einer traditionelle Show, mit Gesang, Akrobaten und Artisten das gemeinsame Abendessen. Zu ungewöhnlichen, aber angenehmen Klängen chinesischer Musik erforschten wir eine genau so ungewöhnliche neue Welt für unsere geschmacksnerven. Voller Überraschung schmeckten auch die frittierten Froschschenkel um einiges besser als erwartet… man muss sich nur auf die ungewohnten Traditionen einlassen.

Erschöpft und voller neuer Eindrücke reicher, erreichten wir noch vor Mitternacht das Hotel. Viele Stunden zum Ausruhen blieben uns jedoch nicht, denn früh morgens nach dem auschecken wartete auch am letzten Tag ein straffes Programm auf uns. Zunächst guckten wir uns den Tiananmen Platz an. Welcher mit seinen 440m² , nicht nur der grösste der Stadt ist sonder gleich der ganzen Welt. Ein historischer Ort, den man aufgrund verschiedener Ergebnisse wie der Bewegung des vierten Mais oder dem Tian’anmen-Massakers nur von Bildern kannte. Zu Fuß nur einiger Meter nachgelagerten, gelangten wir in die 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Verbotene Stadt. Obwohl der Name bereits auf die Größe der Anlage schließen lässt, war ich dennoch von den Ausmaßen überwältigt. Man ist gefühlt von einem riesigen Tor, über einen noch riesiger Platz zum nächsten riesigen Tor gelaufen. Die Stadt in der Stadt wirkte wie eine Parallelwelt mit einer filigranen liebe zu Detail in der Architektur der 890 Paläste, unzähligen Pavilions und Gärten. Nicht ohne Grund ist dieses Sehenswürdigkeit die meist besuchte der ganzen Welt.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die alten Anlagen verließen wir die Verbotene Stadt durch das Nordtor um im angrenzenden Jingshan Park eine letzte Pause einzulegen. Der Park ist im Gegensatz zum Rest der Stadt eine wahre Oase der Ruhe. Es tat gut sich kurz von dem Trubel der Menschnmassen erholen zu können. Das Highlight lag jedoch im Ausblick von einem hochgelegenen Tempel in mitten des Parks. Der atemberaubende Ausblick über die gesamte Verbotenen Stadt und anderen teilen der Stadt entschädigt schnell den etwas knackigen Aufstieg zuvor. Mein Absoluter Geheimtipp für einen jeden Pekingfahrer! Mit dem higspeed Zug ging es anschließend, mit einer Spitzentzengeschwindigkeit von 300 km/h etwas schneller als auf der sommerrodelbahn wieder die 1300 Kilometer zurück nach Shanghai.IMG_1780

…THE END

Nach knapp 5 Monaten New York wird es nun auch für mich Zeit zu gehen. Viele meiner Kommilitonen des Berkeleys sind bereits seit vielen Wochen zu Hause, während ich mich dazu entschließ ich Praktikum in der Stadt, die niemals schläft, zu absolvieren.

Die Meinungen der Studenten über das Studieren in New York oder generell in den USA gehen sehr stark auseinander. Mir war das amerikanische Studiensystem zu verschult, denn an wöchentliche Hausaufgaben und Tests sowie Anwesenheitspflicht konnte ich mich nur schwer nochmal gewöhnen. Für Studenten, die etwas mehr angetrieben werden müssen, um etwas für die Uni zu tun, ist dieses System allerdings ideal. Es kommt also total auf einen selbst an, ob ein Auslandssemester an einem amerikanischen College etwas für einen ist, oder nicht.
Leider hatten wir am Berkeley auch keinen Kontakt zu amerikanischen oder anderen internationalen Studenten, deswegen sollte man darauf achten außerhalb der Uni viel mit amerikanischen Studenten oder generell mit Amerikanern zu unternehmen, um nicht nur die Sprache zu vertiefen, sondern auch das amerikanische Leben mitzuerleben (Mein Tipp: Wohnen oder Ausgehen mit Internationals).

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Im Anschluss meines Auslandssemesters war es mir wichtig noch etwas von der amerikanischen Arbeitswelt zu erfahren. Daher entschied ich mich für ein Praktikum bei der Organisation „International Federation of Accountants“ (IFAC). An das Praktikum kam ich über meinen Onkel, da dieser selbst für die Organisation arbeitet. Man kann aber durchaus auch ohne Kontakte an ein Praktikum kommen. Das Career Center des Berkeley College bietet jedes Semester Workshops bezüglich Bewerbungsschreiben/Vorstellungsgespräch an und hat immer eine Sammlung von Stellenanzeigen bereit.

Mein sechswöchiges Praktikum bei IFAC war ein absoluter Glücksgriff. Ich hatte viele eigene Projekte, durfte an zahlreichen Meetings teilnehmen und wir hatten eine unheimlich tolle Atmosphäre im Office. Nicht nur im fachlichen Bereich, sondern auch sprachlich lernte ich im Praktikum sehr viel, denn in Meetings musste ich des Öfteren meine Arbeitsergebnisse präsentieren. Anfangs war ich mir sehr unsicher, ob ich ein Praktikum in New York machen sollte – aus Angst vor der Sprache. Davon sollte man sich allerdings niemals abschrecken lassen, denn mit der Zeit wächst man an seinen Aufgaben und es wird von Tag zu Tag einfacher – zumal sich die Sprache durch das Auslandssemester schon etwas mehr gefestigt ist.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass die Entscheidung in die USA zu gehen die absolut Richtige war. Ich hatte eine unbeschreiblich schöne Zeit, habe viele tolle Menschen kennengelernt, aber auch mich selbst von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Neben Studieren & Arbeiten hatte ich fantastische Partynächte in NYC, großartige Reisen und einfach unvergessliche Zeit.